Wohnen und CarSharing - eine echte Win-win-Situation

Ergebnisse der Fachtagung „Wohnen plus: CarSharing inklusive“ am 21.01.2015 in Kassel

bcs-Veranstaltung "Wohnen plus: CarSharing inklusive" in Kassel Neben den Anbietern des öffentlichen Verkehrs als klassischen Kooperationspartnern haben immer häufiger auch Unternehmen der Wohnungswirtschaft Interesse an einer Zusammenarbeit mit CarSharing-Anbietern. Umgekehrt werden über die Zusammenarbeit neue Zielgruppen für das CarSharing erreicht. Dem Trend hat der Bundesverband CarSharing Rechnung getragen und Akteure der Wohnungswirtschaft, der kommunalen Politik sowie CarSharing-Unternehmen zum Informations- und Meinungsaustausch versammelt. Dabei wurde deutlich: Sowohl im Bestand als auch bei Neubauprojekten können Wohnungswirtschaft und CarSharing nachhaltig voneinander profitieren. Kommunen können durch die aktive Gestaltung der Rahmenbedingungen Alternativen zum Individualverkehr nachhaltig fördern. Und nicht zuletzt bedeutet die Verbindung von Wohnen und CarSharing eine deutliche Verbesserung der Wohnqualität für Eigentümer und Mieter.

Die Integration von Wohnen und CarSharing entlastet das Wohnumfeld und schafft neuen Wohnwert.

Die Verbindung von Wohnen und CarSharing ist in einigen Projekten bereits langjährig erfolgreich erprobt. Dies machen mehrere Vorträge der Fachtagung deutlich. So besteht etwa die Kooperation zwischen der Münchener Wohnungsbaugenossenschaft Wogeno eG und STATTAUTO München bereits seit 16 Jahren.

Christian Stupka, Vorstand der Wogeno, nennt in seinem Vortrag die wichtigsten Erfolgsfaktoren: Eine umfassende Berücksichtigung aller Mobilitätsbedürfnisse der Bewohner sowie ein hoher Grad an Partizipation bei der Entwicklung des Angebots. Christian Stupka, Wogeno eG

Olaf Rau von STATTAUTO München betont in seinem Vortrag, dass die Kooperation für den CarSharing-Anbieter einen deutlichen Zugewinn an Planungssicherheit und einen verbesserten Zugang zur Zielgruppe bedeutet. In neuen Wohnprojekten der Wogeno wird bereits frühzeitig das CarSharing-Angebot eingeplant und spielt auch eine Rolle bei der Entscheidung zukünftiger Mieter für ein neues Objekt.

Für die richtige Verbindung von Wohnen und CarSharing gibt es keine Standardformel. Vielmehr muss das Mobilitätskonzept jeweils passgenau auf die Gegebenheiten vor Ort abgestimmt werden. Hierauf weist Martin Trillig, Prokurist von book-n-drive CarSharing, in seiner Präsentation hin und zeigt einige Praxisbeispiele aus verschiedenen Städten im Rhein-Main-Gebiet. (Bei Interesse an dieser Präsentation bitte in der bcs-Geschäftsstelle melden.)

Wie ein genau abgestimmtes Mobilitätskonzept dazu genutzt werden kann, dem steigenden Parkdruck in bestehenden Wohnumfeldern zu begegnen, erläutern Janet Gripp von der Mieter- und Wohnungsbaugenossenschaft mgf und Carsten Redlich von cambio Hamburg in ihrem Vortrag am Beispiel der Gartenstadt Farmsen.

Für Bauherren können sich erhebliche Einsparpotenziale und neue Wertsteigerungs-Möglichkeiten ergeben.

Einige Landesbauordnungen und daraus abgeleitete kommunale Stellplatzsatzungen sehen mittlerweile die Möglichkeit vor, durch Integration von CarSharing-Angeboten ins Baukonzept die Zahl der zu erstellenden Parkplätze bei Neubauvorhaben zu reduzieren. Für Bauherren ist das eine attraktive Alternative zur Zahlung einer Stellplatz-Ablöse oder der baulichen Errichtung der Stellplätze. Denn die Investition in ein Mobilitätskonzept ist eine wertsteigernde Maßnahme, die den Mietern und Eigentümern der Immobilie direkt zu Gute kommt. Christian Stupka von der Wogeno beziffert das tatsächlich verfügbare Einsparpotenzial auf rund 10.000 € pro nicht gebautem Stellplatz.

Michael Glotz-Richter, Referent für nachhaltige Mobilität in Bremen, zeigt in seinem Vortrag, wie die Bremer Bauordnung Anreize für die Integration von Mobilitätsangeboten ins Baukonzept schafft und stellt einige Rechenbeispiele aus konkreten Bauanträgen vor.Michael Glotz-Richter, Freie und Hansestadt Bremen

Adrien Cochet-Weinandt, Stadtplaner der Stadt Würzburg und freier Mobilitätsberater, erläutert, wie im neu entstehenden Konversionsstadtteil Hubland die Integration von Wohnen und Mobilität bereits in der Planungsphase umgesetzt wird. Er zeigt die Möglichkeiten der Vertragsgestaltung zwischen Bauherrn, Stadt und CarSharing-Betreiber in einem CarSharing Bauherrenmodell auf.

Daniel Kurth, Geschäftsführer der Sharegroup GmbH, betont in seinem Vortrag die Notwendigkeit einer engen Vernetzung von ÖPNV, CarSharing und weiteren Mobilitätsangeboten zu einem umfassenden Gesamtkonzept.

Dass die Ausgestaltung der Stellplatzbaupflicht von vielen Kommunen noch nicht als politisches Steuerungselement genutzt wird, um Alternativen zum Individualverkehr zu fördern, zeigt Dr.-Ing. Eckhardt Heinrichs, Geschäftsführer der LK Argus GmbH, in seinem Überblicksvortrag auf. Anhand des Beispiels der Stadt Erfurt erläutert er zudem, wie Parkraumbewirtschaftung und Stellplatzbaupflicht ineinander greifen sollten.

Wohnen und CarSharing: Ein Zukunftsmodell

Neben dem direkten Wohnumfeld bestimmt die Erreichbarkeit eines Wohnorts dessen Attraktivität am meisten. Zugleich nehmen Umweltbewusstsein und kritische Distanz gegenüber dem Individualverkehr in der Gesamtbevölkerung zu. Deshalb ist die Integration von Wohnen und CarSharing - wenn sie richtig umgesetzt wird - für Bauherren, Mieter und Eigentümer zunehmend attraktiv. Diesen Zusammenhang erläutert Mechtild Stiewe vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund, in ihrer Präsentation.

Matthias-Martin Lübke von der Stadtmobil Südbaden AG zieht in seinem Vortrag Bilanz über den bereits vor über 15 Jahren umgesetzten autoreduzierten Stadtteil Vauban in Freiburg. Er stellt fest, dass sich die Wohnqualität im Quartier wie erwartet positiv entwickelt hat und attraktive Lebensbedingungen für kinderreiche Familien entstanden sind. Er weist jedoch auch darauf hin, dass die Kommunen langfristig die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen müssen, damit autofreies Wohnen zum Erfolg werden kann.Diskussionsrunde mit Janet Gripp, Carsten Redlich, Martin Trillig und Christian Stupka

Fazit

Die vorgestellten Beispiele wurden von allen Referenten in ihrer Vorbildfunktion für eine nachhaltige Stadtentwicklung gelobt. In den Diskussionen nach den einzelnen Vorträgen wurde jedoch auch deutlich, dass die Kooperationen kein Selbstläufer sind und die Erfolgsaussichten sehr davon abhängen, ob die Partner, die Rahmenbedingungen vor Ort genau analysiert haben. Als Stichworte wurden hier diskutiert: Unterschiede zwischen Mietwohnungen und Wohneigentum,  Anteil von frei finanziertem und gefördertem Wohnungsbau in den Objekten, räumliche Lage in der Stadt und Zugänglichkeit des CarSharing-Angebots für weitere Kunden außerhalb des Kooperationsobjektes . Wenn beide Kooperationspartner diese Faktoren von Anfang an berücksichtigen, besteht gute Aussicht auf eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit.

Die Vorträge der Referentinnen und Referenten als pdf-Downloads

Christian Stupka, Vorstand der Wogeno eG, München: Multimodale Verkehrskonzepte bei der Wogeno eG
Praesentation_Stupka_Wogeno_Muenchen.pdf

Olaf Rau, STATTAUTO München: Kooperationen mit Wohnungsbauunternehmen
Praesentation_Olaf_Rau_StattautoMuenchen.pdf

Janet Gripp, mgf Gartenstadt Farmsen Mieter- und Wohnungsgenossenschaft eG und Carsten Redlich, Geschäftsleitung cambio Hamburg CarSharing GmbH: mgf Mobilitätskonzept – Kooperation mit cambio Hamburg
Praesentation_mgf_cambio_Gartenstadt_Farmsen_Hamburg.pdf

Martin Trillig, Prokurist book-n-drive Carsharing GmbH: Mein Zuhause - Mein Auto
Praesentation_Trillig_book-n-drive_Wohnen_plus_Auto.pdf

Dr.-Ing. Eckhardt Heinrichs, Geschäftsführer LK Argus GmbH: Stellplatzbaupflichten und Entlastungsoptionen in den Landesbauordnungen
Praesentation_Heinrichs_LKArgus_Stellplatzbaupflichten.pdf

Adrien Cochet-Weinandt, Mobilitätsberatung/Stadtplanung, Würzburg: Baukosteneinsparung durch Car-Sharing - Am Beispiel der Stadt Würzburg

Daniel Kurth, Geschäftsführer Sharegroup GmbH: Gemeinsam zum Erfolg. Vernetzen von Wohnungsbaugesellschaft, Kommune, ÖV und Carsharing
Praesentation_Kurth_Sharegroup_Wuerzburg .pdf

Michael Glotz-Richter, Referent 'Nachhaltige Mobilität', Freie Hansestadt Bremen, Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr: Mobilitätsmanagement bei Neubauvorhaben – der Bremer Weg
Praesentation_Glotz-Richter_StellplOG_Bremen.pdf

Matthias-Martin Lübke, Stadtmobil Südbaden AG

Dipl.-Ing. Mechthild Stiewe, ILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH: Die Idee des autofreien Wohnens - Was wurde daraus? Welche Potenziale zu einer Renaissance gibt es?
Praesentation_Stiewe_ILS_autofreiesWohnen.pdf