Aktuelle Informationen
Jahresberichte des bcs
Jahresbericht 2006 des bcs | Jahresbericht 2006 des bcs |
|
|
|
Erfreuliches Wachstum des CarSharing in Deutschland auch im Jahre 2006Auch im Jahr 2006 hat sich das kontinuierliche Wachstum des CarSharing in Deutschland fortgesetzt. Wie jedes Jahr hat der Bundesverband CarSharing e.V. (bcs) auch Anfang 2007 eine Bestandsaufnahme durchgeführt, die zu erfreulichen Ergebnissen geführt hat. Am 01.01.2007 wurden in Deutschland 95.000 Fahrberechtigte, d. h. CarSharing-Nutzer mit einem eigenständigen Zugangsmedium zu CarSharing-Fahrzeugen, bilanziert. Anfang 2006 waren es noch 83.000. Dies bedeutet eine Zunahme von Nutzerinnen und Nutzern um 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals in der Geschichte des deutschen CarSharing ist in absoluten Zahlen ein fünfstelliger Nutzerzuwachs (plus 12.000 Nutzerinnen und Nutzer) zu verzeichnen. Im Mai 2007 ist die Schwelle von 100.000 CarSharing-Kundinnen und -Kunden überschritten worden. Die Anzahl der im CarSharing zur Verfügung stehenden Fahrzeuge wuchs von 2.700 im Vorjahr auf 2.900 zum Jahresanfang 2007, eine Zunahme von 7,4 Prozent. Damit teilen sich im statistischen Durchschnitt 33 Nutzerinnen und Nutzer ein CarSharing-Fahrzeug. Auch hier ist gegenüber dem Vorjahr ein Effektivitätszuwachs zu verzeichnen, da Anfang 2006 noch 31 Nutzer auf ein Fahrzeug kamen.
Die Fahrzeuge werden bundesweit an 1.450 CarSharing-Stationen zur Verfügung gestellt. Gegenüber dem Vorjahr sind fast 200 neue Stationen eröffnet worden. CarSharing rückt damit näher an die Wohnungen und Arbeitsstätten der privaten und gewerblichen Nutzer heran. Aktuell wird in 260 deutschen Städten und Gemeinden CarSharing angeboten. In diesen mit der Dienstleistung CarSharing versorgten Kommunen leben 30,7 Mio. Menschen. CarSharing verbreitet sich auch in der Fläche immer mehr. Im Laufe des Jahres 2006 wurden in 22 Städten und Gemeinden erstmals neue CarSharing-Angebote ins Leben gerufen. Dies wurde vorwiegend durch Gründungen neuer, in der Regel kleiner CarSharing-Anbieter möglich, aber auch durch das räumliche Ausweiten von Angeboten bestehender CarSharing-Organisationen. Hingegen wurde in acht Städten und Gemeinden das CarSharing-Angebot mangels wirtschaftlicher Tragfähigkeit eingestellt. Im Saldo wurden so im Jahr 2006 fast 300.000 mehr Menschen mit einem Zugang zu einem CarSharing-Angebot versorgt. Deutschland ist CarSharing-Land Nr. 1 in EuropaMit aktuell 100.000 CarSharing-Kunden ist Deutschland in Europa das Land mit den meisten CarSharing-Teilnehmern. Wird jedoch die Anzahl der CarSharing-Teilnehmer mit der Bevölkerungszahl oder der Anzahl der Führerscheinbesitzer ins Verhältnis gesetzt, so weist die Schweiz nach wie vor eine unangefochtene Spitzenstellung auf. Heute werden dort 70.800 CarSharing-Kunden gezählt (Angabe Mobility auf deren Website). Dies ist ? bezogen auf die Bevölkerungszahl ? eine etwa achtmal höhere CarSharing-Teilnahme als in Deutschland. Auch aus anderen Ländern gibt es erfreuliche Kundenzunahmen zu berichten. In Belgien beispielsweise erfährt CarSharing seit wenigen Jahren einen erstaunlichen Zuwachs, wobei Stadt- und Regionalverwaltungen tatkräftige Hilfestellung leisten und auch die Kooperation mit den Verkehrsbetrieben vorbildlich ist. Einen regelrechten CarSharing-Boom erleben zur Zeit Kanada und die USA. Innerhalb weniger Jahre wurden in den USA von den zwei größten Anbietern über 100.000 Kundinnen und Kunden geworben. Im Unterschied zu Europa ist diese erstaunliche Entwicklung auch durch die Finanzbeteiligungen von Investmentfirmen ausgelöst worden, deren Investitionshilfen eine rasche Expansion und Markterschließung zuließen. Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich die innovative Mobilitätsdienstleistung CarSharing inzwischen in allen westlichen Industrieländern entwickelt und angesichts der Umweltbelastungen des Individualverkehrs als Alternative zum Privat- und zum Dienstwagen darstellt. Kein Grund sich auf den Lorbeeren auszuruhenTrotz der erfreulichen Entwicklung in Deutschland ist das professionell organisierte Autoteilen nach wie vor kein Selbstläufer. CarSharing ist nach wie vor viel zu wenig in der Bevölkerung bekannt. Auch wenn viele den Begriff schon einmal gehört haben, sind genaue Kenntnisse des Systems und seiner Verbreitung oft nicht vorhanden. Nur ca. 15 Prozent der Bevölkerung verbinden mit dem Begriff die zutreffende Vorstellung vom organisierten Autoteilen als Kunde in einem professionell organisierten CarSharing-Unternehmen oder als Mitglied in einem CarSharing-Verein.1 Den meisten Menschen, die es noch nicht selbst ausprobiert haben, ist nicht bekannt, wie komfortabel mittlerweile die Nutzung eines ?Gemeinschaftsautos? ist und wie sehr die weit fortgeschrittene Buchungs- und Zugangstechnik den Nutzern entgegenkommt. Hier haben der bcs, die CarSharing-Anbieter und ihre Kooperationspartner in den Städten noch viel Aufklärungs- und Informationsarbeit zu leisten. Vor allem bei jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren und bei Älteren über 55 Jahren ist CarSharing noch viel zu wenig als Handlungsmöglichkeit bekannt. Einen ungewöhnlichen Marketingschritt hat der bcs im vergangenen Jahr unternommen, indem er zusammen mit dem Carlsen-Verlag ein Kinderbuch zum Thema CarSharing herausgebracht hat. Das Pixi-Buch ?Autos für alle Fälle? erklärt in kindgerechten Worten und schönen Zeichnungen, dass CarSharing einfach und dank modernster Technik auch für eine Familie mit Kindern nutzerfreundlich ist. Die Stellplätze in Wohnungsnähe auf reservierten Flächen entledigen einem der Mühe der Parkplatzsuche in dicht bebauten Wohnquartieren. Auch wenn die kindliche Zielgruppe dieses Marketingproduktes CarSharing noch lange nicht selbst nutzen kann, könnten Väter und Mütter, die bisher noch nicht über das Autoteilen nachgedacht haben, in die Situation kommen, ihren Sprösslingen abends vor dem Einschlafen das Prinzip des CarSharing erklären zu müssen. Ein Lernerfolg bei den Erwachsenen ist damit nicht ausgeschlossen. CarSharing trägt zur Verkehrs- und Umweltentlastung in den Städten beiEine Vielzahl wissenschaftlicher Studien und Befragungen kommen unisono zu dem Ergebnis, dass CarSharing zur Umwelt- und Verkehrsentlastung in den Städten beiträgt. Das Tarifsystem der Anbieter zielt darauf ab, CarSharing nicht als Hauptverkehrsmittel für alle täglichen Wege einzusetzen, sondern es als Autobaustein in den Umweltverbund zu integrieren. CarSharing ist also eine Mobilitätsversicherung für diejenigen Wege und Ziele, für die die Verkehrsmittel des Umweltverbundes gerade nicht das passende und bequeme Angebot zur Verfügung stellen können. Ein paar Hinweise sollen die Umwelt- und Verkehrsentlastung des CarSharing beleuchten:
Die aufgeführten Beispiele sollen als Beleg für die umwelt- und verkehrsentlastende Wirkung des CarSharing genügen. Dass CarSharing auch in Zukunft diese Umweltpotenziale im Zusammenspiel mit dem Umweltverbund realisieren wird, dafür treten die deutschen CarSharing-Anbieter und der Bundesverband CarSharing e. V. ein. Nicht zuletzt ist auch das Umweltzeichen RAL-UZ 100 (Blauer Umweltengel CarSharing) ein Beleg dafür, dass viele CarSharing-Anbieter über das Normale hinaus einige weitere (auch kostenträchtige) Anstrengungen unternehmen, um ihr Angebot noch umweltfreundlicher zu gestalten. Der bcs und die CarSharing-Anbieter intensivieren die Zusammenarbeit mit Verkehrs- und UmweltverbändenCarSharing wird nur dann kontinuierlich und erfolgreich seine Kundenbasis erweitern, wenn die Zusammenarbeit mit anderen Verkehrsanbietern funktioniert. Eine Kostenersparnis gegenüber dem eigenen Pkw realisieren die CarSharing-Kunden dann, wenn viele tägliche Wege mit Bus und Bahn, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt werden. Auf diese Weise hat sich CarSharing als vierte Säule des sogenannten Umweltverbundes etabliert. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen VDV, in dem die Verkehrsunternehmen des öffentlichen Verkehrs organisiert sind, arbeitet eng mit dem bcs zusammen. In einer offiziellen Broschüre empfiehlt er seinen Mitgliedsunternehmen, Kooperationen mit den örtlichen CarSharing-Anbietern einzugehen. In den meisten deutschen Großstädten existieren mittlerweile solche Kooperationen, von denen sowohl die Kunden der Verkehrsunternehmen wie auch die CarSharing-Kunden profitieren. Der bcs arbeitet ebenso in der CarSharing Plattform der UITP, dem Weltverband der Verkehrsunternehmen, mit, um auch auf internationaler Ebene diese Zusammenarbeit voranzubringen. Daneben organisiert der Rhein-Main-Verkehrsverbund eine Arbeitsgruppe, in der Verkehrsunternehmen und CarSharing-Anbieter regelmäßig ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig über aktuelle Ergebnisse von Evaluierungen informieren. Im Jahr 2006 hat der bcs seine Kontakte mit zahlreichen Verkehrs- und Umweltverbänden intensiviert und Möglichkeiten gemeinsamer Projekte und Aktivitäten erörtert, die nun schrittweise in die Tat umgesetzt werden sollen. All dies soll die Integration des CarSharing in den Umweltverbund beschleunigen und erfahrbar machen. CarSharing-Stationen im öffentlichen StraßenraumNicht allein die von den Anbietern zur Verfügung gestellte Qualität der Mobilitätsdienstleistung entscheidet über den Erfolg des CarSharing beim Kunden. Politische und rechtliche Rahmenbedingungen können einerseits das CarSharing stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken und so seine Integration als innovativen ?Autobaustein? im Zusammenspiel mit dem Umweltverbund (Bus und Bahn, Fahrrad, Zu-Fuß-Gehen) befördern. Wenn die Voraussetzungen nicht stimmen, können mangelhafte Rahmenbedingungen jedoch das Wachstum hemmen. Zu diesen Wachstumshemmnissen gehört bislang die fehlende bundeseinheitliche Rechtsgrundlage zur Einrichtung von CarSharing-Stationen im öffentlichen Straßenraum. Ohne diese Rechtsgrundlage schrecken viele Kommunalverwaltungen davor zurück, CarSharing-Organisationen Stellplätze im öffentlichen Raum anzubieten. In dicht bebauten, innenstadtnahen Stadtteilen der Großstädte, in denen sich Wohnnutzung, Ladengeschäfte und Büronutzung in einer urbanen Mischung abwechseln, wohnen und leben die meisten CarSharing-Kunden und -Kundinnen. Hier ist aufgrund seiner Lebensstil- und Mobilitätsorientierungen auch das größte Kundenpotenzial lokalisiert, das bisher noch nicht zum CarSharing gefunden hat. Die CarSharing-Anbieter haben jedoch oft Probleme, in diesen intensiv genutzten Stadtquartieren die passenden Stellplätze für ihre Fahrzeuge zu finden. Der Wunsch nach Parkplätzen für Anwohner und Geschäftsfahrzeuge ist hier so hoch, dass auch alle privaten Stellplätze in den Hinterhöfen belegt sind, die von den CarSharing-Organisationen angemietet werden könnten. Reservierte CarSharing-Stationen im Straßenraum bieten die Chance, CarSharing näher an seine tatsächlichen oder potenziellen Kunden und Kundinnen heranzurücken und damit eine noch größere Attraktivität auszuüben. Die Gesetzesinitiative des BundesverkehrsministeriumsDas Bundesverkehrsministerium hat mit Datum vom 13.03.2007 den Entwurf einer Gesetzesinitiative zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) veröffentlicht und an Umwelt- und Verkehrsverbände zur Stellungnahme verschickt. Die Initiative soll ermöglichen, dass Kommunen auf gesicherter Rechtsgrundlage CarSharing-Stationen im öffentlichen Straßenraum einrichten können. Nach einer Änderung des StVG durch Beschlussfassung im Bundestag und Bundesrat würden im zweiten und dritten Schritt die Straßenverkehrsordnung (StVO) und die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur StVO entsprechend angepasst werden. Dieser Gesetzentwurf nimmt einen lange vorgebrachten Wunsch der CarSharing-Anbieter auf und würde im Falle seiner positiven Beschlussfassung durch den Gesetzgeber eine deutliche Verbesserung der Rahmenbedingungen für das CarSharing in Deutschland ermöglichen. Auslöser für die nun vorgelegte Gesetzesinitiative war ein im Juni 2005 verabschiedeter Beschluss der Mehrheit des deutschen Bundestages, der durch einen parlamentarischen Abend im Frühjahr 2004 angestoßen wurde, den der Bundesverband CarSharing e.V. (bcs) gemeinsam mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und dem Land Bremen durchgeführt hat. Zahlreiche Verkehrs- und Umweltverbände haben das Vorhaben in ihrer Rückmeldung an das Bundesverkehrsministerium unterstützt und in inhaltlichen Stellungnahmen begründet. Da die Gesetzesänderung im Bundesrat zustimmungspflichtig ist, sind auch die Fachverwaltungen der Bundesländer aufgefordert, ihre Haltung darzulegen. Bisher halten sich Zustimmungen und Ablehnungen bei den Ländern die Waage. Der bcs ist sich sicher, dass eine erfolgreiche Gesetzesinitiative, welche die Errichtung von CarSharing-Stationen im öffentlichen Straßenraum ermöglichen würde, eine deutlichen Verbesserung der Wahrnehmbarkeit des CarSharing mit sich bringen würde. CarSharing könnte damit in den innenstadtnahen Stadtteilen näher an seine Kunden heranrücken. Der politische Meinungsbildungsprozess ist noch in vollem Gang, ein Ausgang des Gesetzgebungsverfahrens ist noch nicht absehbar. Eines jedoch ist sicher: CarSharing ist inzwischen von der Bundespolitik als Maßnahme zur Verkehrs- und Umweltentlastung in den Städten anerkannt worden.
Anmerkungen1 Loose, Willi; Mohr, Mario; Nobis, Claudia; Holm, Birger; Bake, Dirk (2004): Bestandsaufnahme und Möglichkeiten der Weiterentwicklung von Car-Sharing. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen (bast), Reihe Verkehrstechnik, Heft V 114. Bergisch Gladbach (oder als pdf-Download auf der Internetseite des bcs: www.carsharing.de) 2 Maertins, Christian (2006): Die intermodalen Dienste der Bahn: Mehr Mobilität und weniger Verkehr? Wirkungen und Potenziale neuer Verkehrsdienstleistungen. WZB ? Discussion Paper SP III 2006-101. Berlin 3 RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. (2005): Vergabegrundlage für Umweltzeichen Car Sharing RAL-UZ 100. Sankt Augustin (siehe auch: http://www.blauer-engel.de/deutsch/navigation/body_blauer_engel.htm) 4 Haefeli, Ueli; Matti, Daniel; Schreyer, Christoph; Maibach, Markus (2006): Evaluation Car-Sharing. Schlussbericht. Im Auftrag des Bundesamtes für Energie. Bern
ImpressumBundesverband CarSharing e.V., Hausmannstr. 9 - 10, 30159 Hannover, Tel. 0511/7 10 04 74, E-Mail Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können , www.carsharing.de V.i.S.d.P.: Willi Loose Stand: April 2007
Dieser Bericht kann als gedruckte Papier-Version bei der Geschäftsstelle des bcs angefordert werden.
Ein pdf-Dokument dieses Berichts kann hier heruntergeladen werden: |
| < zurück |
|---|



